1000 Pakete Mehl lagern auf der Palette, die die Schützen jetzt bei der Tafel abgeliefert haben. (Foto: Heinz Koch)
Breyeller Schützen spenden der Nettetaler Tafel eine Tonne Mehl
(Bericht aus der RP vom 8. April 2026 von Heinz Koch)
Nettetal/Breyell · Die Tafel in Nettetal bekommt zwar reichlich Spenden an frischen Lebensmitteln, die leicht verderben können. Doch lang haltbare Ware kommt eher selten an. Schützen aus Breyell änderten das jetzt.
Bruderschaften wurden im Mittelalter gegründet als Schutzgruppe von Kirchen und Christen sowie als Hilfsgruppe für Arme und Bedürftige. Letzteres wird von allen Bruderschaften noch heute im großen Umfang geleistet, sei es bei der Hilfe in Krisengebieten oder bei Bedürftigen im eigenen Ort. Diesem Grundsatz fühlen sich die Bruderschaften noch heute verpflichtet. So beschlossen im Frühjahr 2026 die 28 Mitglieder der Königsgrenadiere der St.-Lambertus-Bruderschaft Breyell, sich noch stärker zu engagieren.
„Uns geht es allen gut“, so Rolf Ingenrieth. „Davon wollen wir nun auch anderen etwas zukommen lassen.“ Gemeinsam wurde beschlossen, die Nettetaler Tafel zu unterstützen. Dies sollte in drei Punkten erfolgen: der Finanzierung eines Hand-Hubwagens, der kontinuierlichen Unterstützung durch fixe monatliche finanzielle Zuwendungen sowie, als direkte Hilfe, der Spende einer Tonne Mehl als nicht verderbliches Lebensmittel.
Jetzt überbrachte eine Abordnung der Bruderschaft der Nettetaler
Tafel in ihrem Lager in Kaldenkirchen die Spende von 1000 Paketen Mehl. Der neue erste kommissarische Vorsitzende der Tafel, Bernhard Spaniol, erklärte, dass derzeit ca. 400 Haushalte und somit über 1000 Personen in Nettetal unterstützt werden. „Wir sind bei nicht verderblichen Lebensmitteln auf Spenden angewiesen, die wir von den Supermärkten nicht erhalten können“, erklärte Spaniol.
„Mehl gibt es beispielsweise in diesen Mengen nie, höchstens mal drei bis vier Pakete. Genauso ist es bei Nudeln oder Kaffee, Butter oder Zucker. Obst und Gemüse, also alles Frische, erhalten wir ausreichend.“
Dauerwaren erhalte die Tafel mal höchstens über den zweiten Weg, die Tafel Deutschland, die schon einmal Lieferungen aus Großspenden erhalte und auf die einzelnen Tafeln verteile. „Ich möchte der ganzen Nettetaler Bevölkerung danken, die uns nie hängen gelassen und immer unterstützt hat, sodass wir im
Vergleich zu anderen Tafeln keine Wartelisten der Kunden erstellen mussten“, so Spaniol.
Die Nettetaler Tafel hat gegenüber anderen Städten ein spezielles Verteilungssystem. „Wir kommen zu den Leuten. In anderen Kommunen müssen die Leute zur Tafel fahren und ihre schweren Taschen dann oft über viele Kilometer nach Hause schleppen. Wir haben das in Nettetal so optimiert, dass wir 21 Verteilstationen eingerichtet haben, wo die Leute zu einem festen Zeitpunkt einmal pro Woche hinkommen und ihre Waren abholen können. Damit sind die Wege insbesondere für die älteren Kunden nicht so weit.“
Wie Spaniol sagte, hat der Verein momentan 96 Mitglieder, von denen sich 82 aktiv an der Verteilung beteiligen. Dies sind überwiegend Rentner, die rein ehrenamtlich arbeiten. Rund 20 Prozent der Aktiven sind Migranten. Hinzu kommen momentan vier Schüler des Albert-Magnus-Gymnasiums Dülken, die im Rahmen eines Sozialpraktikum-Projektes für eine Woche helfen.
„Wir holen montags, mittwochs und freitags, früh am Morgen, die Waren bei den Supermärkten ab und bringen sie in eine Halle in unserem Verteilzentrum. Dort wird alles bis zum Mittag in Kühl- und Verteilkisten sortiert und am selben Mittag in den Ausgabestellen an die Kunden ausgegeben.“
Größere Lieferungen können in einem Gebäude auf zwei Etagen mit rund 200 Quadratmetern Fläche gelagert werden. Hier befindet sich auch eine Tiefkühlzelle mit -18° Celsius, hinzu kommt ein Kühlbereich mit +6° Celsius. „Es ist selten, dass eine Tafel so viele Lagermöglichkeiten hat“, betont Spaniol.
Aus hygienischen Gründen müssten in Kürze die Verteiltische, deren Oberfläche bisher aus Hartholz besteht, gegen Edelstahltische ausgetauscht werden. „Wir werden in Zukunft neben den Sachspenden auch kontinuierlich Bargeld zur Verfügung stellen“, versprach Rolf Ingenrieth, Sprecher der Bruderschafts-Vertretung. Für die nächsten Monate seien weitere Spenden-Aktionen geplant, auch im Rahmen von Veranstaltungen der Bruderschaft.
